Praxisrundbrief – April 2019


Gesundheitsuntersuchungen

Ende März hat der Gemeinsame Bundesausschuss – das ist das Gremium der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, das beschließt, welche Leistungen von den Gesetzlichen Krankenkassen zu tragen sind und welche nicht – beschlossen, das zeitliche Intervall für die ab dem 35. Lebensjahr durchzuführende Gesundheitsuntersuchung auf drei Jahre zu verlängern. Diese Änderung war eigentlich vorauszusehen. Überrascht hat mich die Tatsache, dass diese Änderung rückwirkend vom April 2017 gilt. Es gilt allerdings eine Übergangsfrist: Patienten, die 2017 ihre letzte Gesundheitsuntersuchung hatten, können noch bis zum 30. September im Zweijahresintervall eine Gesundheitsuntersuchung vereinbaren

Patienten, die im Jahr 2018 eine Gesundheitsuntersuchung hatten, haben erst wieder im Jahr 2021 einen Anspruch. Ich bitte um Verständnis, wenn wir ab jetzt die Gesundheitsuntersuchungen im regulären Intervall von drei Jahren planen.

Neu ist, dass gesetzlich Krankenversicherte zwischen dem 18. und dem 35. Lebensjahr jetzt einen Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung haben – in meinen Augen eine sinnvolle Maßnahme, denn die Risiken für Zivilisationskrankheiten, um deren Aufdeckung es bei der Gesundheits-untersuchung geht, zeigen sich oft schon weit vor dem 35. Lebensjahr.

Die Situation gibt mir allerdings die Gelegenheit, bestimmte Vorstellungen zu korrigieren, die die Durchführung der Gesundheitsuntersuchungen betreffen:

Die Richtlinie legt fest, welche Erkrankungen mit der Gesundheitsuntersuchung entdeckt werden sollen: es geht in erster Linie um das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen – definitiv der „Killer Nr. 1“ in unserer Gesellschaft – außerdem um Zuckerkrankheit und deren Ursachen, z.B. Übergewicht. Zur besseren Erkennung von Herz-Kreislauf-Risiken wird nun die Erstellung eines Risiko-Scores, einer Einschätzung anhand von Untersuchungsergebnissen gefordert – viele meiner Patienten kennen diese Einschätzung schon, ich benutze den „Arriba“-Score. Hierzu wurde in die Richtlinie zur Untersuchung die Erstellung des gesamten Lipidprofils aufgenommen, also die Bestimmung des „guten“ HDL und des „schlechten“ LDL und der Triglyceride. Dies habe ich bereits vor der Umstellung der Untersuchungsrichtlinie so durchgeführt.

Bei der Gesundheitsuntersuchung geht es nicht um die Aufdeckung irgendwelcher seltener oder ungewöhnlicher Erkrankungen. Weder EKG noch Ultraschall- oder sonstige Laboruntersuchungen gehören zum Leistungsumfang der Gesundheitsuntersuchung. Diese Untersuchungen sind im Hinblick auf die Früherkennung von Krankheiten auch gar nicht wissenschaftlich bewertet, sie haben somit in diesem Bereich keinen Stellenwert. Sie dienen vielmehr beim Auftreten von Symptomen der Klärung der Ursache und möglicher Behandlungen.

Vernünftige Prävention setzt eine Stufe tiefer an: durch eine vernünftige Lebensweise kann die Wahrscheinlichkeit, Zivilisationserkrankungen und Krebsleiden zu erleiden, wirklich verringert werden, ehe sie durch eine Früherkennungsuntersuchung (letztlich auch zu spät) erkannt werden.

Weitere Informationen über die Gesundheitsuntersuchung erhalten Sie übrigens bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (allerdings sind noch nicht alle Informationen aktualisiert):

https://www.kbv.de/html/5540.php

Die Intervalle für die Krebsfrüherkennung für Männer und das Hautkrebs-Screening, die wir in der Praxis ebenfalls anbieten, wurden meines Wissens noch nicht verändert.

Für viele chronische Erkrankungen bieten im Übrigen die Disease-Management-Programme (DMP) die Möglichkeit einer Überwachung in kürzeren Intervallen. Unsere Praxis bietet DMP für Diabetes Typ 2, Koronare Herzerkrankung (Zustand nach Herzinfarkt, Stent, Schlaganfall, auffälliger Befund bei einer Herzkatheteruntersuchung), Asthma und Chronisch Obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) an. Außerdem bieten die Krankenkassen bei Teilnahme an den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung zusätzliche Untersuchungsleistungen an. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an.

Zum Thema Prävention von Erkrankungen und zur Begleitung und Unterstützung bei chronischen und akuten Erkrankungen durch eine achtsame und bewusste Lebensführung setzen wir in den kommenden Monaten mehr und mehr die Elemente der Mind-Body-Medizin ein. Näheres erfahren Sie in Kürze an gleicher Stelle.

Letzte Aktualisierung am: 23. Apr 2019 @ 22 h 36 min