Meine Haltung zur Coronaimpfung und zu einer allgemeinen Impfpflicht (14.03.22)

Liebe Patienten,

ich werde von Ihnen oft gefragt, wie meine Meinung zur Coronaimpfung ist. Grund genug, dies hier einmal schriftlich darzustellen.

Seit Beginn der Impfaktion versuche ich, mich auf einem mittleren Weg zu bewegen. Ich bin weder ein Impfgegner, noch halte ich die Impfung für die einzige Möglichkeit, mit der Pandemie umzugehen.

Es gibt aus meiner Sicht nicht die eine oder andere Empfehlung, die für jeden Menschen gilt. Dies hat folgenden Grund: neben der spezifischen Wirkung eines Medikaments tritt – für jeden Menschen individuell – ein Faktor hinzu , den man Wirkungserwartung nennen könnte. Das bedeutet auf die Coronaimpfung bezogen, dass jemand, der an die Wirkung der Impfung glaubt, nicht nur durch die spezifische Wirkung des Impfstoffs selbst, sondern zusätzlich durch eine positive Beeinflussung seines Immunsystems ein verbessertes Ansprechen auf die Impfungen haben wird. Andererseits wird jemand, der von der Wirkung der Impfung nicht überzeugt ist, möglicherweise sogar daran glaubt, dass die Impfung ihm bzw. ihr schaden wird, mit großer Wahrscheinlichkeit eine geringere Impfantwort entwickeln und mit einer größeren Wahrscheinlichkeit Nebenwirkungen durch die Impfung erleiden.

Meine Beratung geht daher in die Richtung, dass ich jemanden, von dem ich annehme, dass er oder sie sich prinzipiell für die Impfung entschieden hat, in dieser Einschätzung bestärke, denn die Wirkung der Impfung wird für ihn oder sie wahrscheinlich positiv sein. Wenn bei prinzipieller Entscheidung für die Impfung Ängste vor der Impfung vorhanden sind , kann ich versuchen, diese auf dem Boden der momentan verfügbaren Informationen zu relativieren.

Jemanden, der sich im Innern gegen die Impfung stellt, werde ich von seiner Meinung kaum abbringen, kann aber insofern beraten, als dass es noch andere Wege gibt, sich vor schwerwiegenden Auswirkungen der COVID-Erkrankung zu schützen.

Meine Aufgabe als Arzt ist es , meinen Patienten nach bestem Wissen zu helfen. Insofern scheint mir diese Form der Beratung stimmig, da sie beim Impfwilligen ein positives Ansprechen auf die Impfung fördert und das Auftreten von Nebenwirkungen mindert. Bei jemandem, der sich gegen die Impfung entscheidet, kann diese Beratung dazu führen, dass sich eine Beruhigung einstellt und auf diese Weise das Immunsystem gefördert wird. Diese Wirkungen, in der Medizin als Placebo- und Nocebo-Effekte bekannt, sind vielfach wissenschaftlich belegt.

Ich halte eine allgemeine Impflicht nicht für sinnvoll, da eine Impfung derjenigen, die im Inneren gegen die Impfung eingestellt sind, uns allen – und ihnen insbesondere -nicht helfen, sondern mit einiger Wahrscheinlichkeit schaden wird. So wende ich mich auch ausdrücklich gegen Maßnahmen, die eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ bedeuten, dagegen, dass Menschen, die sich gegen die Impfung entscheiden, durch wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Druck, durch Ausgrenzung oder gar das Versagen einer medizinischen Behandlung zur Impfung gedrängt werden sollen.

Bezüglich der Annahme , dass die Impfungen die Transduktion des Virus, also die Weiterverbreitung, verhindert, dürfte angesichts sehr hoher Virusnachweise im PCR-Test bei verhältnismäßig hoher Impfquote eine vorsichtige Skepsis erlaubt sein. Es bleibt die möglicherweise vorhandene, positive Wirkung auf das Individuum, also auf die Verhinderung eines schwerwiegenden Verlaufs. Hier aber muss es, wie in anderen Lebensumständen auch, dem Individuum freigestellt sein zu entscheiden, welches Risiko es für sich selbst bezüglich einer COVID-Erkrankung tragen möchte, beziehungsweise selbstständig abzuwägen, ob dieses Risiko schwerer als das mögliche Risiko der Impfung wiegt.

Deshalb setze ich mich für eine freie Impfentscheidung ein. Der schädlichste Effekt einer Impfpflicht ist meiner Meinung nach eine weitere Spaltung der Gesellschaft, die mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer allgemeinen Verschlechterung das Immunsystems führt und somit einer Überwindung der Pandemie entgegenwirkt. Ich wende mich ausdrücklich gegen eine Diffamierung und Ausgrenzung von Personen, die sich gegen eine Impfung entscheiden, genauso wende ich mich gegen eine Verunglimpfung von Menschen, die sich für eine Impfung entscheiden. Ungeimpfte Personen für die Weiterverbreitung der Pandemie verantwortlich zu machen ist in meinen Augen ebenso wenig sinnvoll, wie (wie es mir meine Tochter kürzlich mitgeteilt hat) eine 14-jährige, russischstämmige Schülerin deshalb zu schikanieren, weil Russland die Ukraine angegriffen hat.

Hinter solchen Überlegungen stehen in der Regel nicht die oft unbewusst vorgeschobenen Argumente, man wolle damit zum Beispiel ältere oder schwächere Personen schützen, sondern eine Einstellung, die einen selbst aufgrund eines bestimmten Denkens oder Handelns zu einer besseren, moralisch höhergestellten Person macht. Mit dieser Art zu denken, seine eigene Lebensform und sein eigenes Handeln für besser als das von Anderen zu halten, zum Beispiel bezogen auf Menschen anderer Ansicht, Menschen anderer Herkunft oder anderen Geschlechts, Menschen anderer sexueller Orientierung , haben wir immer wieder und allerorten furchtbare Erfahrungen gemacht!

Was wir in diesen Zeiten gesundheitlicher und außenpolitischer Herausforderungen in meinen Augen besonders benötigen, ist ein auf Respekt beruhendes, harmonisches Zusammenleben. Dies – und nicht die andauernde, schädliche, emotionale Auseinandersetzung ist die Grundlage für ein gut funktionierendes Immunsystem, welches uns in Millionen Jahre dauernder Evolution viele solcher Herausforderungen hat überstehen lassen und dafür gesorgt hat, dass die Menschheit überlebt.

Für mich selbst ist der Gedanke, eine in wenigen Monaten entwickelte Impfung könne eine bessere Wirkung erzielen als ein über so lange Zeit entwickeltes, ausgeklügeltes Immunsystem, irgendwie naiv. – aber natürlich respektiere ich auch jede andere Ansicht.

Ihr Hausarzt am Kurpark

Dr. Stefan Kanduth-Grahl

Covid-Antikörper-Schnelltest in der Praxis verfügbar (13.01.22)

Seit heute haben wir in der Praxis einen Covid-Antikörper-Schnelltest zur Verfügung. Aus einem Blutstropfen kann in ca. 10 Minuten festgestellt werde, ob sich im Blut der untersuchten Person IgG-Antikörper gegen das Corona-Virus befinden oder nicht (qualitativer Test). Der Test kann z. B. für ungeimpfte Personen interessant sein, die wissen möchten, ob ihr Körper schon einmal mit dem Virus in Kontakt war. Die Austellung eines Genesenen-Zertifikats aufgrund eines positiven Testergebnisses ist allerdings aufgrund der derzeitigen gesetzlichen Regelungen nicht möglich. Sprechen Sie uns bitte an, wenn Sie an dem Test interessiert sind. Die Kosten betragen 15 Euro.

Empfehlungen zur COVID-Auffrischungsimpfungen („Booster“) geändert (22.12.21)

Die ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) hat gestern die Empfehlungen zur Covid-Auffrischungsimpfung („Booster“) geändert. Ab sofort soll nach Möglichkeit eine Auffrischung bereits drei Monate nach Zweitimpfung erfolgen, wobei wieder ältere und schwer vorerkrankte Personen vorzuziehen sind.

In der Regel orientieren wir uns an den Empfehlungen der STIKO. Wir sind aber organisatorisch nicht in der Lage, sofort auf diese Veränderung zu reagieren, da u.a. die Bestellfrist für Impfstoffe für die nächste Woche bereits abgelaufen ist. Außerdem haben wir den größten Teil unserer zu priorisierenden Patienten bereits mit einer Auffrischungsdosis geimpft. Vorläufig bleiben also alle bisher vereinbarten Impftermine unverändert bestehen.

Durch Personen, die ein anderes Impfangebot wahrnehmen konnten und ihren Termin bei uns freigeben, entstehen immer wieder Lücken in unserer Planung. Fragen Sie bitte telefonisch nach, insbesondere, wenn Sie kurzfristig ein Impfangebot annehmen könnten. In Einzelfällen kommen wir auch auf Sie zu und machen Ihnen ein früheres Impfangebot.

Bitte denken Sie daran, dass wir auch noch andere Aufgaben haben als zu Impfen!

  • Wir bitten weiterhin alle Personen, die mobil und jünger als 60 Jahre sind, Impfangebote der mobilen Impfteams wahrzunehmen: https://corona.landkreis-lueneburg.de/impfzentrum/
  • Sofern Sie bereits einen Impftermin mit uns vereinbart haben und sich dann entscheiden, ein anderes Impfangebot wahrzunehmen, sagen Sie bitte unbedingt Ihren Termin bei uns bitte ab, telefonisch oder per E-Mail, damit die Impfdosis nicht verfällt und ggf. zu priorisierende Patienten vorgezogen werden können.
  • Für den Nachweis einer vollständigen Impfung ist zur Zeit noch keine Auffrischungsimpfung erforderlich! Das ändert sich aufgrund der gestzlichen Vorgaben voraussichtlich am 1. Februar 2022. Ab dann soll eine vollständige Impfung nur noch neun Monate gültig sein.
  • Zeitlich begrenzt ist ein Genesenen-Status: nach den momentan gültigen Regelungen ist sechs Monate nach Labordiagnose eine Auffrischungsimpfung für einen vollständigen Impfschutz erforderlich.
  • Wir konzentrieren uns weiter auf eine zeitnahe Impfung älterer und immobiler Patienten sowie auf bislang nicht erfolgte Erst- und Zweitimpfungen.
  • Wir impfen zur Zeit mit Comirnaty (BioNTech). Dies hat ausschließlich organisatorische Gründe und nichts mit der Qualität möglicher anderer Impfstoffe zu tun.
  • Sobald ein Totimfstoff zur Verfügung steht, werden wir auch diesen einsetzen. Bitte informieren Sie sich auf dieser Seite.

Neues Infektionsschutzgesetz in Kraft (24.11.21)

Seit heute gilt die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes.

  • Zur Klarstellung: Selbstverständlich werden auch Personen, die weder geimpft, genesen oder getestet sind bei uns behandelt. Ein Schnelltest kann aber im Falle einer Erkältung eine hilfreiche Maßnahme sein. Helfen Sie uns bitte bei der Organisation des Praxisbetriebes, damit keine unnötigen Risiken entstehen!
  • Wir führen in der Praxis keine Schnelltests für asymptomatische Personen („Bürgertests“) durch!
  • Bitte melden Sie sich immer telefonisch bei uns an, besonders, wenn Sie erkältet sind. Situationsbedingt kann es zur Zeit etwas länger dauern, bis Sie bei uns durchkommen. Ihre Anmeldung erleichtert uns aber das Lenken des Arbeitsablaufes und dient damit der Sicherheit von Personal und anderen Patienten.
  • Unter Umständen ist eine kurzfristige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch nach Telefonkontakt oder einer Videokonsultation möglich, so dass Sie sich sogar den Weg in die Praxis sparen können.

Stellungnahme zu Äußerungen des Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery vom 09.09.21 (09.09.21)

Wie tagesschau.de am 09.09.21 um 08:03 Uhr berichtete, hat sich der Vorsitzende des Weltärztebundes für eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen und eine weitestmögliche Einführung von 2-G, also des Zugangs nur für Geimpfte und Genesene ausgesprochen. Von dieser Meinung möchte ich mich in aller Deutlichkeit distanzieren! Bei allem gebotenen Respekt vor der Corona-Pandemie und ihren Folgen kann es meiner Meinung nach nicht sein, dass der Vorsitzende einer hochstehenden Ärzteorganisation zur Aushebelung von Grundrechten auffordert. So lange nicht der Gesetzgeber eine Einführung der Impfpflicht beschließt, darf niemand auf direktem oder indirektem Wege zu einer Impfung gezwungen werden, insbesondere nicht durch die Verhinderung von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder sonstigen moralischen Druck. Es gibt ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. So lange sich der Gesetzgeber nicht zu einer Impfpflicht entschließt, hat dieser meiner Meinung nach auch alle Maßnahmen zu tragen, die eine Teilnahme aller Menschen am öffentlichen Leben ermöglichen, sei es die Übernahme der Kosten der Impfung oder die kostenlose Testung nicht geimpfter Personen.

Diese Stellungnahme stellt meine persönliche Ansicht dar und spiegelt nicht unbedingt die Meinung meiner Praxismitarbeiter wider.

Ihr Dr. Kanduth-Grahl